Dinge, die nicht jeder über mich weiss
- Ich bin im Süden der Niederlande geboren, in der Provinz Limburg – nur wenige hundert Meter von dem Ort entfernt, an dem meine Grossmutter väterlicherseits geboren und aufgewachsen ist. Persönlich kennengelernt habe ich sie leider nie. Aber auf den vielen inneren Reisen, die später in meinem Leben folgten, hat sie eine grosse Rolle gespielt – und ich fühle mich ihr sehr verbunden.
- Als ich drei Jahre alt war, hatte mein Vater seinen ersten Herzinfarkt. In den 70er-Jahren gab es noch keine Operationen und Stents, eigentlich hätte er also mit 45 aufhören müssen zu arbeiten. Er hat dann aber noch viele Jahre Teilzeit gearbeitet, vormittags – unter einer Bedingung: Nachmittags musste er ruhen. Diese täglichen Nachmittage, an denen bei uns zu Hause Ruhe herrschen musste, fand ich als Kind natürlich nicht immer so toll.
- Als ich sechs war, stieg meine Mutter in Teilzeit wieder ins Berufsleben ein. Sie war damals alles für mich, meine wichtigste Bezugsperson. Und ich fand es schrecklich, wenn sie am Montagnachmittag nicht zu Hause war – dem einzigen Nachmittag, an dem sie arbeitete. Ich mag mich erinnern, wie ich am Fenster stand und wartete, bis sie zurückkam. Und wie ich tief durchatmete, als sie endlich wieder da war.
- Zwischen acht und zwölf hatte ich – wie meine sechs und acht Jahre älteren Brüder – Klavierunterricht. Schon damals war ich ein Morgenmensch und stand gleichzeitig mit meinen grossen Brüdern auf. Die haben das nie verstanden: «Warum bleibst du nicht länger im Bett liegen?» Das Schlimmste für sie war aber wohl, dass ich jeden Morgen um 7 Uhr eine Stunde Klavier übte – nach dem Motto: Dann habe ich das schon erledigt. Meine armen Brüder! Beim Frühstück waren sie meiner Übungsstunde mit Polkas und Walzern ausgesetzt, der Musik, die unser Vater so liebte, und konnten kein Radio hören.
- Als Teenager habe ich ein paar Jahre im Verein Fussball gespielt – bis die Teams neu eingeteilt wurden und ich als einziger Teenager bei den Frauen landete. Fussball im Fernsehen finde ich dagegen sehr langweilig. Ausser, die Oranje-Mannschaft schafft es ins Halbfinale oder Finale: Dann erwachen meine Oranje-Roots, und ich hole alles Orange aus den Schränken, was ich finden kann.
- Als Kind hatte ich oft Alpträume und wachte jedes Mal erschrocken oder weinend auf. Bis ich eines Abends beim Einschlafen eine Idee hatte: Ich stellte mir den Traum schon ein wenig vor – lud ihn quasi ein. Aber nur so weit, dass ich ihn wieder abstellen konnte, wenn mich die Angst übermannte. Das habe ich ein paar Abende lang so gemacht. Danach hatte ich nie wieder solche Alpträume.
- Mein erstes Haustier war ein Kaninchen. Nachdem es abgehauen war, bekam ich ein neues – aber irgendwie interessierte es mich nicht mehr so richtig, und mein Bruder erbte es. Viel mehr Spass hatte ich mit meinem Wellensittich: Er konnte sprechen, ahmte allerlei Geräusche nach und durfte frei im Wohnzimmer herumfliegen.
- In unserer Toilette im 70er-Jahre-Stil habe ich schon immer gerne in den Fliesen mit Wassermuster nach Mustern und Figuren gesucht. (Dort war es übrigens immer eiskalt, weil meine Mutter grossen Wert darauf legte, dass das Fenster gekippt war.)
- Eine Tante fragte mich einmal, was ich denn werden wolle. Meine Antwort: Schauspielerin. Als sie nachhakte, warum – vielleicht dachte sie, ich wolle berühmt werden –, sagte ich: «Wegen der verschiedenen Rollen.» Es schien mir wunderbar, in einem einzigen Leben so viele verschiedene Rollen spielen zu können. Damals wusste ich noch nicht, dass wir alle diese Rollen in uns tragen, ständig am Schauspielern sind – und dabei selbst Regie in unserem Leben führen.
- Zu meinen inneren Verletzungen aus der Kindheit gehört, dass ich am Tisch ausgelacht wurde, wenn ich etwas von meinen Träumen oder Gefühlen erzählte. Sofort kam ein blöder Witz oder ein Spruch. Oder dass meine Mutter mir nicht glaubte: Sie fragte dann immer einen meiner Brüder, ob das wirklich so sei – übrigens bis in ihr hohes Alter. Oder dass sie über mich redeten, in der dritten Person, während ich daneben sass. Dann dachte ich: «Hallo, ich bin hier. Rede direkt mit mir!» Aber das traute ich mich natürlich nicht zu sagen. Also sagte ich nichts.
- Mit neun Jahren war ich stolze Besitzerin eines kleinen, gelb bemalten Kinderrads für Drei- bis Vierjährige, das unsere Nachbarin loswerden wollte. Ich hatte riesigen Spass damit, durchs Quartier zu fahren – die Knie neben dem Lenker, weil ich natürlich viel zu gross dafür war. Ich habe mir damit jede Menge Tricks beigebracht und bin damit über die Crossbahn gebrettert.
- Als Familie fuhren wir jedes Jahr an Weihnachten – und später auch an Ostern – zum Skifahren nach Österreich. Nach ein paar Jahren stieg ich aufs Snowboard um. Und verliebte mich als Teenager prompt in meinen Snowboardlehrer aus Graz: Er wurde mein erster Freund. Die Berge habe ich schon damals geliebt. In der Schweiz bin ich dann wieder auf die Ski umgestiegen.
- Bis zum Gymnasium war ich ein echtes Pferdemädchen. Jeden Samstag ging ich mit einer Freundin zu einer Dame im Dorf, die mehrere Ponys hatte. Dort wurde sogar ein Fohlen nach mir benannt.
- Und dort haben wir auch geschenkte Kürbissamen für einen Wettbewerb eingepflanzt – bei uns zu Hause hatten wir keinen Platz dafür. Mit meinem 65 Kilogramm schweren Kürbis habe ich den Wettbewerb gewonnen: 1. Platz, ein Fahrrad als Preis – und damit ab in die Lokalzeitung! Übrigens, das Fahrrad habe ich immer noch.
- Zum Thema Diversity: In der 6. Primarklasse fragte ich den Pfarrer, warum eigentlich keine Mädchen Ministrantinnen werden dürfen. Ein paar Wochen später wurde das geändert – und ja, dann konnte ich natürlich nicht mehr Nein sagen. So war ich ein Jahr lang Ministrantin. Mit dem Start ins Gymnasium hatte ich dann einen guten Grund gefunden, wieder auszusteigen.
- Den Schulweg ins Gymnasium habe ich, wie alle Schülerinnen und Schüler in den Niederlanden, mit dem Fahrrad gemacht. Jeden Tag 12 km hin und 12 km zurück, bei jedem Wetter. Ich mag mich noch an eine Anzeige von minus 17 Grad erinnern. Am schlimmsten war es jedoch, wenn ich schon beim Frühstück hörte, wie Wind und Regen ums Haus heulten.
- Als Teenager entdeckte ich, dass ich Zahlen und Vokale in Farben sehe, und dass das nicht alle tun! Das war für mich eine ebenso grosse Überraschung wie für meinen Bruder, dem ich es als Erstem erzählte. Ich dachte, das sei bei allen so, wie Gras grün und Schnee weiss ist. Viele Jahre später – ich lebte schon in der Schweiz – hörte ich zufällig im Radio, dass das Synästhesie heisst. Bis heute finde ich das superpraktisch, um mir Namen und Nummern zu merken oder um zu beurteilen, ob eine Zahl «schön» ist.
- Bleiben wir bei den Zahlen: In der Schule war ich die Beste in Mathe … und die Schlechteste in Deutsch! Nie hätte ich gedacht, dass Deutsch einmal die Sprache wird, in der ich heute denke, träume und mich am besten ausdrücken kann.
- Meine erste – und einzige – LP, die ich je gekauft habe, war «Heart of Stone» von Cher.
- Mit 14 durfte ich mit meinem Bruder in die Tanzstunde. Das war die einzige Möglichkeit, schon so früh in den Ausgang zu gehen. Einmal blieben wir auf dem Heimweg mitten in der Nacht mit leerem Tank stehen. Zum Glück war nicht allzu weit entfernt ein Restaurant, in dem noch Licht brannte. Mein Bruder lief hin und rief unseren Vater an. Es war genau das Wochenende, an dem die Uhren vorgestellt wurden. Jedes Jahr Ende März, wenn die Uhren wieder umgestellt werden, denke ich schmunzelnd daran zurück.
- Mit 16 brachte mir mein Bruder das Motorradfahren bei – auf einem Kiesplatz! Weil ich noch kein Gefühl dafür hatte, die Kupplung langsam kommen zu lassen, musste er sich an mir festklammern, um nicht hinten runterzufliegen. Und die Kieselsteine flogen uns nur so um die Ohren.
- Auch mit 16 bin ich zum ersten Mal geflogen: Zusammen mit meinem Bruder besuchte ich drei Wochen lang Verwandte auf Long Island, New York. Weil mein Bruder schon Auto fahren durfte, waren wir mobil, gingen oft ins Kino und erkundeten New York und Boston. Eine tolle Zeit! Während wir das Land der unbegrenzten Möglichkeiten genossen, hatte mein Vater eine Herzoperation. Davon erfuhren wir aber erst, als wir wieder zu Hause waren.
- Auf den letzten 100 Metern eines Crosslaufs im Gymnasium habe ich mir zum ersten Mal die Frage gestellt, was mich eigentlich antreibt. «Was in mir entscheidet jetzt, dass ich am Ende noch einen Sprint hinlege? Woher kommt diese Kraft?» Damals wusste ich natürlich noch nicht, dass ich mich Jahre später intensiv mit genau solchen Fragen beschäftigen würde.
- Einen Monat nach meinem 18. Geburtstag zog ich nach Delft, um an der Technischen Universität Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren. Nicht, dass ich ein Fan von Flugzeugen, Raketen oder Satelliten gewesen wäre – überhaupt nicht. Mir gefiel, dass es ein technisches, praxisorientiertes Studium war, das als anspruchsvoll galt. Ausschlaggebend war aber: Diesen Studiengang gab es nur in Delft. Ich MUSSTE also ausziehen.
- Dass der Frauenanteil an der Fakultät nur bei 1 % lag, störte mich überhaupt nicht – im Gegenteil, es fiel mir nicht einmal auf. Mit meinen grossen Brüdern war ich in einer technischen Männerwelt aufgewachsen: Ich half ihnen oft in der Garage, wenn sie ihre Autos reparierten und daran herumschraubten. Später habe ich auch den Service an meinem eigenen Motorrad und Auto selbst gemacht.
- Zu Beginn meines Studiums kaufte ich mein erstes Motorrad: eine gelbe CB400F – genau die gleiche wie die meines Bruders. Kurz darauf machten wir zusammen unsere erste Tour durchs Moseltal in Deutschland.
- Im Rahmen meines Studiums «musste» ich selbst eine Cessna fliegen, und fand das total langweilig. Ganz im Gegensatz zu meinen Mitstudenten. Da oben passiert nämlich nicht so schnell etwas, wenn du die Hände vom Steuer nimmst. Und du merkst nicht einmal, wie schnell du fliegst. Da liebte ich das Motorradfahren doch viel mehr!
- Ich habe mein Studentenleben geliebt! Diese Freiheit, das selbstständige Unterwegssein und Studieren – das war ganz mein Ding. Im dritten Jahr war ich ein Jahr lang im Vorstand des Studienvereins, und habe entsprechend weniger studiert, aber mehr gelernt als im ganzen Studium: vom Organisieren von Events und Studienreisen über die Zusammenarbeit mit einem Verlag bis hin zur Arbeit im Team. Am Ende dieses Jahres war ich nah an einem Burnout. Das merkte ich auf ziemlich krasse Weise: Ich bin beim Überqueren einer Strasse eingeschlafen – und erst aufgewacht, als mir der Geruch von verbrannten Reifen in die Nase stieg. Ein Auto hatte offenbar eine Notbremsung hingelegt …
- Mit einer Freundin aus meinem Studentenverein bin ich per Autostopp von Venlo nach Prag gereist. Ein echtes Abenteuer, das wir unseren Eltern erst im Nachhinein erzählt haben. Heute kann ich mir sehr gut vorstellen, welche Gedanken sie sich gemacht hätten.
- Während des Studiums jobbte ich in einer Pizzeria, deren Personal mehrheitlich aus Sardinien stammte und untereinander Italienisch sprach. Dort begann mein Abenteuer mit der italienischen Sprache. Ich dachte mir: Wenn ich sowieso mindestens zwei Abende pro Woche Italienisch höre, kann ich es genauso gut auch lernen.
- Weil mir der Italienisch-Anfängerkurs so viel Spass machte, besuchte ich auch den Folgekurs. Den belegten nur Studierende, die für einen Erasmus-Austausch nach Italien gingen. So kam ich auch auf die Idee. Als ich mich an der Uni erkundigte, wohin ich gehen könnte, gab es nur eine Option: Pisa. Das wollte ich nicht. Wenn Italien, dann Rom! Dort hatte die Uni aber keine Kontakte. Wenn ich es aber selbst organisieren könne, sei das in Ordnung. Und so flog ich ein paar Monate später nach Rom – nach dem Motto: «Wenn es das, was ich will, nicht gibt, dann erschaffe ich es mir selbst.»
- In Rom habe ich ganz bewusst gestohlen: einen Minirock in einem Laden bei der Fontana di Trevi. Ich wollte einfach mal wissen, wie sich das anfühlt. Und es war furchtbar! Zwar bin ich als Diebin unbehelligt aus dem Laden gekommen, aber ich habe mir geschworen: Das mache ich nie wieder. Den Minirock habe ich übrigens immer noch – als Erinnerung an meine Sünde.
- In dieser Zeit, Mitte der Neunzigerjahre, war ich auch zum ersten Mal auf Sardinien und besuchte meinen Chef aus der Pizzeria. Ich liebe Sardinien und war seither schon sehr oft dort, später auch mit unserer Familie.
- Ich hatte das Glück, in einer ganz tollen Studenten-WG zu landen. Bis heute treffen wir uns jedes Jahr zu unserem traditionellen Weihnachtsessen. Allerdings nie an Weihnachten, denn da hat niemand Zeit, sondern irgendwann im Jahr. In der Regel bei der Person, die zuletzt umgezogen ist oder eine neue Wohnung hat. So feierten wir schon Weihnachten im Juli auf Aruba, im Februar in der Schweiz, im November in Belgien und in allen möglichen Monaten und Städten in den Niederlanden – immer mit Weihnachtsmusik und Festtagsstimmung.
- Nerd-Fact: Während meiner Diplomarbeit bei der ESA gab es eine Phase, in der wir alle drei – meine beiden Brüder und ich – in der Aerodynamik tätig waren. Ich mit Überschallströmungen, ein Bruder in der Verbrennungstechnik und der andere mit Strömungen in Rohren. Wie nerdig ist das denn?!
- Ich mag kein Bier – obwohl ich in einer Bier-Familie aufgewachsen bin und in meiner Studentenzeit sehr viel Bier getrunken habe. Aber auch die Menge konnte am Geschmack nichts ändern.
- Nach dem Studium zog ich mit meinem damaligen Freund in eine Wohnung, deren Räume höher als breit waren. Viel Gestaltungsspielraum gab es nicht: Die Möbel passten nur auf eine einzige Art in die Zimmer.
- Mit 25 habe ich meinen heutigen Mann in einem Besprechungsraum kennengelernt. Ich war Kundin, er Lieferant. Und ja, es waren noch weitere Personen im Raum, auch unsere Vorgesetzten. Aber diese eine Besprechung hat gereicht, damit der Funke übersprang.
- Ein paar Monate später entschied ich mich für ein zweites Studium: Psychologie, als Fernstudium. Und das, obwohl unser Vater uns immer sagte: «Studier nichts, was auf -logie oder -sophie endet. Damit kannst du kein Geld verdienen.» Kurz nachdem die ersten Bücher bei mir zu Hause eingetroffen waren, starb mein Vater ganz plötzlich an einem Herzinfarkt.
- Mit meinen Arbeitskollegen bin ich im Süden der Niederlande den Kennedymars gelaufen – 80 Kilometer! Bei Kilometer 60 bekam ich die erste Blase und vom ganzen Team haben nur eine Kollegin und ich das Ziel erreicht.
- Seit 1997 lasse ich mir regelmässig die Karten legen, hole mir eine astrologische Beratung oder besuche ein Medium.
- 1998 erhielt ich meine erste Lean-Six-Sigma-Black-Belt-Zertifizierung. Weitere folgten 2001 und 2003 – jeweils, wenn ich die Firma gewechselt hatte. 2004 habe ich dann die Master-Black-Belt-Zertifizierung erworben.
- Innerhalb eines Monats habe ich im Jahr 2000 meine Wohnung und meinen Job gekündigt und bin in die Schweiz ausgewandert – um mich auf das Abenteuer der Liebe einzulassen.
- Ich war vier Wochen allein in Ecuador und auf den Galapagosinseln in den Ferien. Weil es ein spontaner Entscheid war, fragte ich mich erst im Flieger, welche Sprache man dort eigentlich spricht. Mit meinem Italienisch kam ich aber sehr gut zurecht, hier und da ergänzt durch spanische Wörter, die ich unterwegs aufgeschnappt hatte.
- Ich war auf 5'897 m ü. M., als ich den Cotopaxi bestiegen habe, einen aktiven Vulkan in den Anden.
- Mit blutverschmierten Knien bin ich im Meer mit Haien geschwommen! Kurz vor unserem Schnorchelgang hatten wir nämlich ziemlich fanatisch Fussball gespielt – auf einer sehr rutschigen Sandpiste.
- Mein Motorrad in der Schweiz – eine schwarze Honda VFR750F – habe ich geliebt! Bei der ersten Schwangerschaft habe ich es schweren Herzens verkauft.
- Mit meiner besten Freundin war ich drei Wochen in Kenia unterwegs. Dort haben wir den Mount Kenya bestiegen, 5'199 m ü. M. – ohne Guide. In einem Guide-Büro kauften wir die Karte, die dort an der Wand hing. Sie hat uns später das Leben gerettet. Am Tag des Gipfelaufstiegs haben wir uns im sogenannten «Tal des Todes» verlaufen, was wir dank der Karte entdeckten. Nach diesem sehr langen Tag - wir waren schon zwölf Stunden unterwegs und hatten unzählige Male die 4000-Meter-Grenze überschritten – kamen wir völlig erschöpft bei unserer Hütte an.
- In den drei Jahren als Mitglied der Geschäftsleitung war ich zwei Mal schwanger. Diversity war in dieser Firma auf dem Papier ein grosses Ding und sie hatten mich als erste Frau in diesem Gremium sogar zur Diversity-Verantwortlichen ernannt. Trotzdem hatten meine männlichen Kollegen keine Ahnung – und wenig Verständnis dafür –, was das in der Praxis bedeutet.
- Auf meiner ersten inneren Reise, 2003 im sogenannten Alpha-Training, zeigte sich mir das Symbol einer Eule. Sie begleitet mich bis heute und hat mich damals – über ein Gespräch an einem Diversity-Event, an dem ich von dieser Erfahrung erzählte – zur Psychosynthese geführt, die später die Grundlage für Inner Leadership wurde.
- 2008 besuchte ich mein erstes Psychosynthese-Seminar. Nach nur wenigen Minuten hatte die Seminarleiterin meinen wunden Punkt entdeckt. Ich war begeistert von diesem Ansatz und der inneren Arbeit. Auch hier erhielt ich ein wichtiges Symbol für meine weitere Reise: einen blauen Diamanten. Seither trage ich ihn in Form eines Rings mit einem Saphir immer bei mir.
- Hier begann die Versöhnungsarbeit mit meiner Mutter. Und auch nahm ich hier – über meine Patentante, die Schwester meines Vaters – Kontakt zu meiner väterlichen Familie auf. Daraus sind bis heute sehr wichtige Erfahrungen und Beziehungen für mich entstanden.
- Meine Schwiegermutter hat die letzten sechs Jahre ihres Lebens bei uns gelebt. Eine prägende Erfahrung für uns alle. Mich hat sie – wie Krisen das so an sich haben – zurück auf meinen Weg zur Psychosynthese gebracht, und ich habe die dreijährige Ausbildung begonnen.
- In dieser Zeit habe ich mir einen Schmetterling tätowieren lassen. Als Symbol für meine eigene Transformation: dass ich es schaffen würde, mich innerlich so zu verwandeln, dass ich mit schwierigen Situationen umgehen kann und mich nicht mehr triggern lasse – ohne emotionale Ausbrüche, ohne Vorwürfe und ohne anderen die Schuld zu geben.
- Bevor ich den Weg zurück zur Psychosynthese gefunden habe, besuchte ich viele verschiedene Seminare und Ausbildungen: Dale Carnegie, eine mediale Ausbildung, Mentaltraining sowie das Alpha- und das Omega-Training.
- Nach 13 Jahren Corporate-Welt in drei verschiedenen Grosskonzernen hatte ich genug: von den vielen langwierigen Workshops und Besprechungen, Versprechungen, die nicht eingehalten wurden, und den politischen Spielchen. Ich wollte meinen eigenen Mehrwert steigern und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit.
- Anfang der 2000er-Jahre habe ich aufgehört, Fleisch zu essen. Ich merkte, wie sich in mir immer mehr Widerstand gegen die wiederkehrende Grillsaison regte. Ich sagte mir: Wenn ich wieder Lust darauf habe, esse ich wieder Fleisch. Die Lust kam nie zurück. Im Gegenteil: Seit ich auf Fleisch verzichte, ist die Qualität meines Essens enorm gestiegen.
- Einen Monat lang musste ich meinen Fahrausweis abgeben. Totaler Bullshit! Ich stand in Zürich in einem langen Stau vor einer Ampel und wollte meinen Kunden kurz mitteilen, dass ich etwas später komme. Genau da fuhr ein Polizeiauto neben mich und erwischte mich mit dem Handy in der Hand.
- Mein Mann und ich waren einige Male in Paartherapie. Auch wenn ich nicht das Gefühl hatte, dass uns die einzelnen Stunden viel gebracht haben, glaube ich doch, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Wende in der damaligen Krise unserer Beziehung geleistet haben.
- Ich liebe scharfes und asiatisches Essen, und danach zum Dessert ein Stückchen dunkle Schokolade. Mit Sauerkraut kann man mich jagen!
- Ich kann in einer Pizzeria die Karte noch so lange studieren – am Ende bestelle ich doch immer die Pizza Gorgonzola.
- Ich singe als Sopranistin in einem bunten Chor mit rund 20 Frauen. Unser Repertoire: fröhliche Volksmusik, Medleys bekannter Hits und Schlager. Bei unseren Auftritten und Konzerten treten wir immer als echte Ladies auf, mit Handtasche, Hut und schicken Kleidern.
- Meine Locken habe ich erst mit 47 Jahren entdeckt!
- Ich backe gerne Brot und Kuchen, und das hat mich auf ganz besondere Weise meiner väterlichen Familie nähergebracht. Mein Grossvater und sein Vater hatten nämlich früher eine Bäckerei.
- Meine Träume sind wichtige Begleiter für mich. Sie spiegeln mir, wie es mir geht, zeigen mir, wohin mein Weg führt, und bestätigen wichtige Entscheidungen, die ich getroffen habe.
- Mein Lieblingsfrühstück: viel geschnittenes Obst mit Joghurt, ein Müesli mit verschiedenen Samen und Flocken, und dazu ein gekochtes Ei.
- Als ich zum ersten Mal als Co-Trainerin am Psychosynthese-Institut innere Übungen anleitete, rann mir der Schweiss den Rücken hinunter – aus Angst, ausgelacht zu werden. Dabei war es natürlich «nur» mein eigener alter Film vom Familientisch, der ablief.
- Mit Champagner, Sekt oder Weisswein habe ich nicht viel am Hut. Ich trinke lieber ein Glas Rotwein zum Abendessen.
- 2017 habe ich Inner Leadership gegründet. Neben meiner Tätigkeit als Beraterin und Trainerin in den Bereichen der Prozessoptimierung arbeitete ich immer mehr als Coach und Begleiterin in der Persönlichkeitsentwicklung. Es war Zeit für ein eigenes Gefäss – mit eigenem Namen und eigenem Auftritt.
- Kurz danach habe ich mit dem Schreiben meines Buchs «Das innere Team führen» begonnen. Ich wollte Unterlagen für meine Workshops und Programme zusammenstellen. Und da das PowerPoint-Format nicht passte, ist so in einem mehrjährigen Prozess mein Buch entstanden.
- Ich mag Wind. Wahrscheinlich, weil es in den Niederlanden fast immer windet. Er ist unsichtbar und doch so spürbar. Wenn er weht, muss ich lachen und bekomme gute Laune, als wolle er mir sagen: «Du siehst mich nicht, aber ich bin hiiieeer!» Und damit holt er mich jedes Mal ins Hier und Jetzt.
- Äusserlich sehe ich meiner Mutter sehr ähnlich, worauf ich stolz bin.
- Ich trinke keinen Kaffee – obwohl mein Mann im Kaffeebusiness tätig ist. Dafür trinke ich seit einer Geschäftsreise nach China im Jahr 2008 sehr gerne heisses Wasser. Lauwarm geht gar nicht. Meistens bestelle ich einen «Tee ohne Tee», damit man versteht, was ich meine.
- To-do-Listen habe ich rigoros abgeschafft. Ich weiss, dass sie nie fertig werden, und einem nicht gut tun. Im Gegenteil, sie machen nur mehr Stress. Viel wichtiger sind mir mehrere Pausen am Tag, in denen ich bewusst innehalte. Danach überlege ich, was jetzt wirklich am wichtigsten und dringendsten ist.
- Ab 2018 bin ich jeden Monat in die Niederlande gefahren, weil meine Mutter nach einer Hirnblutung ins Pflegeheim ziehen musste und uns nicht mehr besuchen konnte. Natürlich haben ihr diese Besuche Freude gemacht. Aber ehrlich gesagt waren sie in erster Linie für mich selbst. Ich wollte ihr in ihrer letzten Lebensphase meine Liebe geben und für sie da sein, unabhängig von ihren nicht immer einfachen Charakterzügen. 2023 konnte sie das Leben loslassen.
- In diesen Jahren waren wir auch als Familie oft in den Niederlanden und haben dabei die Bootsferien auf den vielen Flüssen und Kanälen entdeckt. Wir lieben Bootsferien! Als Familienprojekt haben wir in der Coronazeit gemeinsam die Bootsprüfungen auf Niederländisch abgelegt. Das war übrigens meine erste Erfahrung mit Onlineschulungen.
- Ebenfalls in der Coronazeit habe ich selbst erste Onlineschulungen gegeben – sogar auf Japanisch, obwohl ich kein Wort Japanisch spreche. Dafür aber ein Geschäftspartner, mit dem ich über 15 Jahre lang gemeinsam Lean- und Six-Sigma-Schulungen gegeben habe.
- Ich brauche niemanden, der mich motiviert oder antreibt. Sondern jemanden, der mich bremst – weil ich immer zu viel will.
- Mein Lieblingsgemüse? Ganz klar die Aubergine!
- Ich ziehe mich oft mehrmals am Tag um, passend zu meinen verschiedenen Rollen im Alltag: für meine Morgenübungen, die Arbeit im Homeoffice, den täglichen Spaziergang mit meinem Mann, den Rotary-Lunch, Kundentermine, den Powernap, die Gartenarbeit, usw.
- Nachdem ich meine Coaching-Praxis zuerst bei uns zu Hause hatte, bin ich 2022 in meine eigenen Büroräume ganz in der Nähe des Bahnhofs Enge in Zürich gezogen. Ich bin und arbeite sehr gerne an diesem Ort.
- Erst in einem Numerologiekurs wurde mir bewusst, dass mein Geburtsdatum aus den gleichen Zahlen in der gleichen Reihenfolge besteht wie das meines Vaters. Das hat mich sehr berührt.
- Nach dem Tod meiner Mutter habe ich den Ring meiner Grossmutter väterlicherseits geerbt. Materiell ist er wenig wert, aber emotional bedeutet er mir sehr viel.
- In DISC-Farben zusammengefasst: Rot geboren – in 20 Minuten war ich da. Blau aufgewachsen, in einer pflichtbewussten Familie, in der Leistung, Pünktlichkeit und Verbindlichkeit zählten. In die Schweiz gezogen, um meine grünen Anteile zu entwickeln. Und mit meinem Mann zusammengekommen, um das Gelbe in mir zu fördern.
- Eines meiner Lieblingsbilder von mir ist das hier:
